Referenz

Die Fläche als Fläche wird auf der Fläche erst sichtbar, wenn sich diese von jener in irgendeiner Weise unterscheidet. Bei Mehrdad Sadri hebt sich die im Malvorgang in Falten gewordene Fläche als bilnerisches Ereignis in räumlicher Illusion von der Bildfläche ab. Faltungen, positiv-negativ, in ihrer vom Helldunkel abhängigen räumlichen Dialektik des Ein- und Ausschließen, in ihren unterschiedlichen Schichtungen und Brechungen, sind dabei nicht nur Mittel Flächenräumlicher Differenzierung in der Tradition des Komponierten Bildes, sondern auch Metaphern für die erzeugenden und verändernden Kräfte der Natur, für ein Ver- und Entbergen der Physiognomien und Seelenzustände von Menschen und für von diesen erzeugte Objektwelten.

Kunsthistorische Bezüge zwischen Orient und Okzident sind dabei unübersehbar. "... die ins Unendliche gehende Falte ist das Charakteristikum des Barock", schrieb Gilles Deleuze 1996. "Und zunächst differenziert er sie nach zwei Richtungen, nach zwei Unendlichen, wie wenn das Unendliche zwei Etagen besäße: die Faltungen der Materie und die Falten in der Seele."

Sadris gegenständlich-ungegenständlicher Illusionismus erzeugt bisweilen jene unendlich scheinenden Zwischenwelten, die sich dem/der Betrachter/in fortwährend aus einem Noch-Nicht in ein Nicht-Mehr zu entziehen scheinen, und damit den Vorgang des Betrachtens als abhängig von Raum und Zeit ins Bewußtsein rufen.
Univ. Prof. Mag. Dr. Peter Stasny

Kunst und Künstler sind nicht voneinander zu trennen. Kein ernstzunehmendes Werk kommt ohne Verbindung mit der Persönlichkeit des Künstlers zustande, denn in ihm öffnet er seine innerste Welt und gibt seine Gefühle und Gedanken in einem sehr persönlichen, schöpferischen Akt preis.

Scheint auch in den Werken von Sadri manches verschlossen und geheimnisvoll zu sein, sodaß sich nicht sofort ein Zugang zu ihnen einstellt, so liegt doch auch gerade darin ein rätselhafter, großer verführender Reiz.

Mehrdad Sadri deutet in seinen Bildern menschliche Figuren oft nur an, zerlegt sie, ebenso wie auch Dinge, in Details, die in ihrer Dimension vergrößert oder verkleinert werden, und fügt sie dann, verändert, neu zusammen. Herausgenommen aus ihrem gewohnten Bereich verlieren sie ihren gewohnten Zusammenhang und werden zu Formen mit einer eigenwilligen, selbständigen Dynamik.

Dieser Vorgang öffnet den Weg zu einer neuen Sicht, bringt aber auch die Teile, die wir zu erkennen vermeinen, in Bereiche des fast traumhaften, von der Realität losgelösten, wie hinter Schleiern verhüllt wirkend. Manche der Bilder erzählen eine Geschichte. Oft gibt der Titel den Ansporn, in ihnen zu suchen, was sich unter der Bildoberfläche verbirgt.

Mit Hilfe der Phantasie sind dann keine Grenzen gesetzt, wir dürfen bis in - vermutetes - Unbewußtes vordringen.
Univ. Prof. Mag. art. Sepp Moosmann


Mit den Ausdrucksmitteln des Bildausschnitts und der Vergrößerung werden scheinbar zufällige Faltenwürfe ihrer alltäglichen Belanglosigkeit entrissen und durch dramatische Lichtregie als Ereignisse elementarer materieller und seelischer Kräfte inszeniert. Wie in Momentaufnahmen zum Stillstand gebrachte Bewegungen evozieren sie bisweilen Formen der Natur, erinnern an Gebirge und Schluchten, an vom Wasser geglättete Felsformationen, immer wieder aber auch an die menschliche Physiognomie.

Was eben noch sich zu verhüllen schien, sinkt, bevor es noch allzu deutlich wurde, als Verborgenes in die Faktizität bloßer Falten, als erzeugendes, schaffendes Prinzip zurück.

Mehrdad Sadris Malerei stellt - ebenso wie seine im engeren und weiteren Sinne textilen Arbeiten - die Frage nach dem Erotischen, in seiner platonischen Doppeldeutung als Liebe zur Weisheit und Zeugungskraft in sinnlicher aber auch geistiger Dimension. Das Erotische wird erst dort faßbar, wo es in der ästhetischen Transformation dem realen Leib, der realen Natur und der konkreten Stofflichkeit auf Distanz bleibt.
Univ. Prof. Mag. Dr. Peter Stasny

 
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